Das Untenende

Die Fehntjer Königsallee

Erinnerungen an das Zentrum von Rhauderfehn, Band I


Buchtext

Erinnerungen an das Untenende sind Erinnerungen an Jahrzehnte, in denen das Untenende der Motor für die wirtschaftliche Entwicklung der Region war. Hier pulsierte das Leben, hier saß die Wirtschaftskraft, hier lebten die Menschen, die noch lange Zeit nach Abschluss der Kolonisierung des Fehns quasi als Dauer-Pioniere für die kontinuierliche Weiterentwicklung und für die Verbesserung des Lebensstandards der Bürger sorgten.

Wie attraktiv das Untenende für die gewerbliche Wirtschaft und den Handel war, davon zeugen viele Unternehmer, die teils von weither kamen, um sich im Untenende niederzulassen. Dies gilt für den Textilhändler Albert Stapelfeld ebenso wie für das Bekleidungsgeschäft R. Th. Aden, für den Uhrmachermeister August Bürger, den Mietwagenbesitzer Bernhard Austermann oder für den Apotheker Theodor Sarrazin.

In der Summe verdeutlichen die Erinnerungen, dass die im Untenende lebenden und arbeitenden Menschen Entscheidungen getroffen haben, die sowohl für die Entwicklung ihrer Unternehmen als auch für das Untenende insgesamt und darüber hinaus bedeutend waren und Spuren hinterlassen haben.

Zur Begründung dieser Entscheidungen, reichen die im Buch festgehaltenen Erinnerungen nicht aus. Dazu muss in Betracht gezogen werden, dass die vielfältigen Beziehungen der Menschen zueinander ebenso eine bedeutende Rolle gespielt haben wie politische und wirtschaftliche Entwicklungen. Gravierende Auswirkungen hatten beispielsweise die beiden Weltkriege, die Inflation des Jahres 1923 sowie die Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929.

Das Buch will anrühren und im Kopf der Leser eigene Geschichten entstehen lassen.

Softcover
230 Seiten
mehr als 200 Fotos
16,90 Euro



Leseprobe

Eine der vielen ungewöhnlichen Geschichten, die im Buch wiedergegeben werden, ist die der "Alten Fehnapotheke". Hier ein Auszug:
Auf die Frage, was Viehhandel und der Kauf einer Apotheke miteinander gemeinsam haben, würden die meisten Befragten die Antwort vermutlich schuldig bleiben müssen. Das beide Geschäfte per Handschlag besiegelt wurden, dürfte Verwunderung auslösen.

Im Jahr 1868 vom Apotheker Klünder eröffnet, übergab jener die mit nur einem Meter Abstand vom späteren Zeitungsgebäude errichtete Apotheke nur ein Jahr später an Edwin Meyer, der sie 1901 an den Oldersumer Johannes van Hove verkaufte. "Dessen Frau mochte nicht in Ostfriesland leben", begründet Folkert Sarrazin, weshalb der Apotheker das Anwesen auf dem Hamburger Hauptbahnhof an Theodor Sarrazin verkaufte, der bis dahin keine Beziehung zu Ostfriesland und keine Ahnung davon gehabt haben dürfte, auf was er sich einlässt. Um den letzten Gulden werden beide nicht gefeilscht haben. Der eine wollte weg, und der andere setzte auf die wirtschaftliche Prosperität des Untenendes, wo zu jener Zeit unter anderem 100 Schiffe bereedert waren.

Der Vater stammte aus Nienburg an der Weser, und er war als angestellter Apotheker in einer Apotheke in Lauenburg beschäftigt. Dass er dort eine Frau aus Bad Bevensen kennen lernte, die er später heiratete, geht auf die Abenteuerlust seiner Margarethe zurück, die gemeinsam mit einer Freundin per Rad nach Lauenburg fuhr, um Verwandte zu besuchen. Die kleine drahtige und agile Persönlichkeit muss es ihm angetan haben, mit ihr konnte er das Abenteuer Selbständigkeit irgendwo in der nordwestdeutschen Provinz wagen.

Um 1900 heirateten beide und zogen nach Westrhauderfehn und in die Apotheke ein, die dem Anspruch der vor allem der Mutter an eine moderne Apotheke von Beginn an nicht genügte. Dass sie ihre gemeinsamen Träume nicht verwirklichen konnten, lag an der Krankheit, die den Vater im Jahr 1923 mit nur 40 Jahren ins Grab brachte. "Unser Vater hatte Diabetes und Insulin gab es in Deutschland nicht", sagt der im Jahr 2010 91jährige Sohn. "Ich höre den Vater heute noch schreien, wenn er seine Attacken bekam. Das war schrecklich." Ab und an habe er aus den USA Insulin geschickt bekommen, aber der Vorrat habe nicht lange gereicht. Die Mutter verpachtete die Apotheke gab aber die Hoffnung nicht auf, eines Tages eine moderne Apotheke eröffnen zu können.

Dazu musste zunächst ein neues Gebäude her, das schließlich im Jahr 1936 am heutigen Standort errichtet werden konnte. "Die Mutter hatte ein Schild davor aufstellen lassen, auf dem zu lesen stand: ,Das wir hier bauen können, verdanken wir dem Führer'", sagt Folkert Sarrazin.

Die Mutter hatte die Apotheke zunächst Theodor Meyer-Kandelhart zur Verfügung gestellt, dessen Nachfolger im Jahr 1928 Niklas Schaa aus Großwolde wurde. "Verpachten konnte Mutter die Apotheke zunächst nicht, weil es noch kein Pachtgesetz gab." Schaa zog auch noch in den im früheren Apotheken-Garten Neubau ein. Zwei Jahre und bis zum Kriegsende wurde die Apotheke danach an Johannes Wübbena verpachte, solange, bis der Sarrazin-Sohn Folkert im Jahr 1946 aus dem Krieg heimkam und die Apotheke übernehmen konnte.



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