Der Stürmer: Die Fratze des Bösen



Buchtext

Sich mit der Verfolgung der Juden im „Dritten Reich“ zu beschäftigen, führt zwangsläufig zu der Frage, wie der Judenhass entstehen konnte, wie er immer wieder verstärkt wurde, welche Funktion und welche Auswirkungen er hatte. Der Autor dieses Buches hatte nicht geplant, sich mit dem antisemitischen Hetzblatt des „Frankenführers“ Julius Streicher zu befassen. „Woher kam dieser Judenhass?“

Eine einfache, monokausale Antwort auf diese Frage gibt es nicht, aber die Wochenzeitschrift „Der Stürmer“, ein übles antisemitisches Hetzblatt, das von dem „Frankenführer“ Julius Streicher herausgegeben wurde, spielte eine herausragende Rolle. Das Blatt war eines von 19 parteioffiziösen Blättern, das von der Nazi-Zensur genehmigt war und die Politik der braunen Herren stützte. Eine offizielle Parteizeitung war es nicht, weshalb es das „Hoheitszeichen“ der Partei, das Hakenkreuz, nicht tragen durfte.Dennoch war es unter allen Nazi-Blättern das übelste; und das erfolgreichste gleichermaßen.

Seine Wirkung konnte der „Stürmer“ quantitativ durch seine Auflage erreichen, die laut eigenen Angaben bis zu 800.000 Exemplare und bei Sonderausgaben bis zu einer Million betragen haben soll. Es gibt die Vermutung, dass die Auflage tatsächlich noch höher gewesen und aus steuerlichen Gründen heruntergerechnet worden sein könnte. Potenziert wurde die Wirkung des Blattes durch die überall im Reich aufgestellten „Stürmerkästen“, in denen die jeweils aktuelle Ausgabe von „Volksgenossen“ und/oder „Stürmerfreunden“ ehrenamtlich ausgehängt wurde. Das war kostenlose PR-Arbeit, die massenhaft und reichsweit für den „Stürmer“ geleistet wurde.

Mit welchen Inhalten schaffte es der Stürmer, seine Massenwirkung zu entfalten, was war der Leim, auf den die Menschen millionenfach krochen? Dies erreichte „Der Stürmer“ zunächst durch die Schaffung der Kunstfigur „Alljuda“. Sie stand für alles, was nicht der NS-Ideologie entsprach. Alljuda war verantwortlich für all das, was „den Deutschen“ an Schlechtem widerfahren war und was ihnen drohte, sollte es diesem „Weltfeind“ gelingen, die Weltherrschaft zu erringen. Zweiter Erfolgsgarant war Streichers Versprechen, den Männern wieder die Herrschaft über die Frauen zurückzugeben, die ihnen von den Juden genommen worden war, die patriarchalische Ordnung sollte wieder hergestellt werden, so, wie es vor 1914 in Deutschland selbstverständlich war. Vehikel war die angebliche „Schändung“ der Frauen durch die Juden, durch „Rassenschande“.




Leseprobe

Aus der Geschichte der Ritualmorde, die historisch nicht bestätigt war, sog er seine „Belege“. Selbstredend wurden bei diesen angeblich historisch bezeugten „Ritualmorden“ die Schächtmesser benutzt, die in der damals aktuellen antisemitischen Hetze eine Rolle spielten. Zwar ging es dabei vordergründig darum, wie die jüdischen Metzger das Vieh schlachteten, aber man wusste ja nie, was sie mit ihren Schächtmessern noch anstellten. Im Mai 1934 brachte Streicher eine zwanzigseitige „Sonder-Nummer“ des „Stürmer“ heraus, die sich ausschließlich diesem Thema widmete. Im historischen Rückblick wirkt diese Ausgabe wie eine Art Einführungskurs in den vermeintlich verbrecherischen Charakter der Juden. Damit waren die Leser anscheinend „eingenordet“. Danach griff Streicher dieses Thema bis zum Kriegsbeginn noch einige Male auf, aber im redaktionellen Kontext spielte es nur noch einmal eine Hauptrolle. Nach Kriegsbeginn kam es kaum noch vor, herausgestellt wurde es nur noch einmal. Als die „Rote Armee“ bei Katyn 12.000 polnische Offiziere ermordet hatte, stellte Streicher in einer Artikelüberschrift die Frage, ob dies ein Ritualmord gewesen sei. „Jüdischer Mordplan gegen die nichtjüdische Menschheit aufgedeckt“ steht in großen Buchstaben auf der Titelseite jener Ausgabe, die für Streicher auch ein finanzieller Erfolg gewesen sein dürfte, da sechs der zwanzig Seiten mit Anzeigen gefüllt sind. Herausgeber und Inserenten dürfte klar gewesen sein, dass dieses Thema auf großes Interesse stoßen würde. Solch „schaurigschöne“ Geschichten waren zu allen Zeiten geeignet, sich selbst besser zu fühlen, und mit Blick auf die Juden waren sie geeignet, alle Vorurteile gegen diese Andersgläubigen zu bestätigen.



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