Fortschritt unter Dampf

100 Jahre Kleinbahn Ihrhove -Westrhauderfehn

Erinnerung an einer „Nabelschnur“


Buchtext

Wo heute Bürger spazieren gehen, ihre Hunde ausführen oder auf den Gebieten der Gemeinden Westoverledingen und Rhauderfehn mit dem Rad den „Ostfriesland Wanderweg“ befahren, verkehrten bis Ende 1973 die Züge der Kleinbahn Ihrhove-Westrhauderfehn. Das vorliegende Buch zeichnet die Geschichte eines Verkehrsmittels nach, mit dem große Hoffnungen verbunden wurden. Mit der Eröffnung der Bahn hatten die Menschen in Westrhauderfehn und Umgebung den lang ersehnten Anschluss das öffentliche Schienennetz bekommen, endlich mussten sie sich nicht mehr von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt fühlen. Die Kleinbahn trug dazu bei, dass aus dem Untenende die „Königsallee“ des Fehns wurde.

In der Zeit bis 1922 erlebte die Bahn zunächst einen Aufschwung, dann brachte ihr der Erste Weltkrieg Probleme und die Inflation ab 1922 noch mehr. Das zweite Kapitel beschreibt, wie sich die Bahn mühsam aus der Krise befreite. Das „Dritte Reich“ schien der Bahn zunächst eine neue Blüte zu bescheren; Hoffnung und Enttäuschung sind im dritten Kapitel nachzulesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte der Bahn der im „Wirtschaftswunder“ wachsende Wohlstand der Menschen zu schaffen. In der Folge musste 1961 der Personenverkehr auf der Schiene eingestellt werden (Kapitel 4). Es folgt die Beschreibung des langsamen Bedeutungsverlustes der Schiene bei gleichzeitig wachsenden Beförderungszahlen im Busverkehr. Dieses Kapitel endet mit der Einstellung des Schienenverkehrs im Jahr 1973.

Wenig später wurde das Bahnhofsgelände umgestaltet. Der moderne Busbahnhof entstand, das Unternehmen wurde in „VLL-Reisen“ umfirmiert, die Reisetätigkeit entwickelte sich zu einer wichtigen Einnahmequelle.

Diesem Kapitel sind einige andere vorangestellt: zunächst wird der Frage nachgegangen, wie sich die Situation auf den einzelnen Bahnhöfen beziehungsweise Stationen dargestellt hat, auf den Fahrzeug- und Wagenpark wird eingegangen und es wird gezeigt, dass die Kleinbahn von „Unglück, Pech und Schicksalsschlägen“ nicht verschont blieb. Außerdem kommen ehemalige Fahrgäste zu Wort, und der Autor wirft einen Blick auf die Bedeutung der Kleinbahn für die heimische Wirtschaft.

230 Seiten
150 Abbildungen
16,90 Euro



Leseprobe

Die Bedeutung der Einführung der Kleinbahnen auf dem Gebiet des preußischen Staates zu ermessen setzt voraus, einen Blick auf die Entstehungsgeschichte zu werfen. Aus einem vermutlich in der Ems-Zeitung im Jahr 1985 mit der Überschrift „150 Jahre Deutsche Eisenbahnen“ erschienenen Artikel geht hervor, dass der Bau von Eisenbahnstrecken und deren Inbetriebnahme von der Politik als Gelegenheit gesehen wurden, die Kleinstaaterei auf dem Gebiet des späteren Deutschen Reiches ein Stück weit zu überwinden. Da die Schaffung eines einheitlichen deutschen Reiches vor allem im Interesse der großen Staaten lag, verwundert es nicht, dass der Preußische Staat den Bau der Eisenbahn vorantrieb. Um die Möglichkeiten des Eisenbahnverkehrs optimal nutzen zu können, war Zubringerverkehr zu den Staatsbahnstrecken durch Kleinbahnen erforderlich. Am 28 Juli 1892 hatte der Preußische Landtag das Kleinbahngesetz verabschiedet und damit die Grundlage dafür geschaffen, dass Landkreise, Städte, Gemeinden und private Interessenten Kleinbahnstrecken bauen lassen und betreiben konnten.

Zwei Jahre nach der Verabschiedung des Kleinbahngesetzes beschloss der Provinziallandtag in Hannover, den Bau von Kleinbahnen finanziell zu unterstützen. Dies scheint auch die Entscheidungsträger in Ostfriesland beflügelt zu haben. Am 21. Mai 1894 fand in Aurich eine Kleinbahnkonferenz statt, und noch im selben Jahr beschloss der Kreistag in Leer, beim Landesdirektorium in Hannover die Vorarbeiten zu beantragen. Ein Jahr später teilte das Ministerium mit, dass die angedachte Kleinbahn Ihrhove-Ostrhauderfehn unter das Kleinbahngesetz fallen würde. Darauf wurde noch im Herbst desselben Jahres der Plan für den Bau der Strecke vorgelegt, allerdings in abgespeckter Version. Als Endpunkt wurde Westrhauderfehn vorgesehen, das Teilstück bis Ostrhauderfehn wurde aus Kostengründen abgelehnt.

Am 3. November 1912 wurde die Bahnstrecke eröffnet. Zwei Tage zuvor reichte die Gemeinde Rhaude ein Beschwerde bezüglich der Namensgebung des Bahnhofs Marienheil ein. Diese Ortsbezeichnung gelte nur für die Gastwirtschaft des Herrn Gewald und sei nur wenigen Menschen bekannt. Man beantragte, die Station stattdessen Rhaude zu nennen.

Über die erste Fahrt des Zuges auf der Kleinbahnstrecke war im „GA“ zu lesen: „Der Ort prangte im Flaggenschmuck, mehrere Ehrenbogen waren errichtet und die Bahnhofsanlagen und Gebäude prächtig geschmückt. Gegen elfeinhalb Uhr versammelten sich die Gäste auf dem Bahnhof. Die Auricher Militärkapelle spielte einige Märsche, der Gesangverein ‚Immergrün‘ trug Lieder vor, und dann ging es in den Zug, der bald voll besetzt war. Auf den Stationen wurde Halt gemacht, gespielt und gesungen. Man kam nach Ihrhove. Hier erwarteten auswärtige Festteilnehmer den Zug. Unter Vorantritt der Militärkapelle ging es nach dem Friesenhof. Hier wurde ein Frühschoppen genommen. Pünktlich um 1.30 Uhr setzte sich der Zug wieder in Bewegung, um die Gäste nach dem Festessen zu bringen. Dieses wurde im Gasthof des Herrn Tholen eingenommen. Reichlich 130 Damen und Herren nahmen teil. Mehrere Tischreden, ernst und heiter, hoben die Stimmung. Gegen sechs Uhr war das Mahl beendet, und man vereinte sich noch zu einem fröhlichen Tänzchen.“ Im „LA“ heit es dazu weiter: „Die Stimmung an der großen Tafelrunde war eine sehr gehobene und nur zu rasch schlug für die auswärtigen Teilnehmer die Trennungsstunde, da bereits um sechseinhalb Uhr der Zug die Station Westrhauderfehn verlassen musste, um den Gästen in Ihrhove den Anschluss an die Abendzüge der Staatsbahn zu ermöglichen.“

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